Jubeln, durchatmen, Bonusspiele
A1-Jugend | 03. Mai 2016

Bereits im Hinspiel begegneten sich beide Teams bis zur 50. Minute auf Augenhöhe. Erst danach stießen die Mindener das Tor zum Halbfinale durch einen unwiderstehlichen Schlussspurt ganz weit auf. Die Aufgabe, in Balingen durch die zwar weit, aber nicht sperrangelweit geöffnete Tür zu gehen, erwies sich dann als kniffliger als von Außenstehenden vermutet werden konnte.

Doch die Gastgeber gaben – angetrieben von einer prächtigen Kulisse von 1.300 Zuschauer alles, vielleicht sogar noch ein bisschen mehr und hatten die Weserstädter zwei Mal im Verlauf des Rückspiels am Rande des Ausscheidens. Das erste Mal beim Stand von 14:16 aus Mindener Sicht. Die Bagats-Sieben hatte direkt nach der Pause einen 1:5-Lauf kassiert und begann ein wenig zu schwimmen, zog zunächst aber durch einen 4:0-Lauf durch je zwei Treffer von Jonas Gertges und Justus Richtzenhain den Kopf aus der Schlinge, musste wenig später aber wieder den Ausgleich hinnehmen.

In der Folge pendelte sich der Spielstand zumeist bei einer knappen Führung für die Gastgeber ein, die die Weserstädter bis zum 20:20 auch immer wieder kontern konnten. Beim 21:22 aus schien die grün-weiße Welt noch in Ordnung zu sein. Doch dann eröffnete Jan Bitzer, der in Minden das letzte Tor zum 23:29-Endtsand markierte, einen unwiderstehlichen Endspurt der „Jung-Gallier” mit seinem Treffer zum 23:21. Dem ließen die JSG-Akteure Jonas Villgrattner (2) und Sascha Witte und Tim Nothdurft vier weitere folgen. Zwischendurch traf Mats Korte zum wichtigen 22:25.

„Nach dem 16:16 habe ich in Balingens Auszeit gesagt, dass wir jetzt zuschlagen müssen. Aber leider verlieren wir dann eine Überzahl mit 0:1 und das Publikum kommt so richtig auf. Als wir dann beim 22:27 mit dem Rücken zur Wand standen, war das ein richtiges Tollhaus. Einfach eine überragende Atmosphäre”, meinte Sebastian Bagats, dessen sich Team sich „überragend aus dieser Situation befreit und das Spiel gedreht hat.”

Wer weiß es schon, ob die nicht ein weiteres Gegentor den Willen und den Glauben an das Weiterkommen gebrochen hätte? Aber in diversen „Endspiel-Situationen” haben die Dankerser sowohl positive Erfahrungen (Lemgo, Gummersbach) als auch negative (Bayer Dormagen) gemacht und gingen gestärkt aus diesen hinaus.

In den letzten 50 Sekunden, an die sich Bagats nur schemenhaft („Man ist dann irgendwann in so einem Tunnel drin”) erinnern kann, fokussierte sich sein Team auf diese Herausforderung. Nach einem Abpraller (Marian Michalczik hatte die Latte getroffen) schnappte sich Maximilian Nowatzki am rechten Flügel das Leder und warf nervenstark zum 23:27 ein. „Dann haben wir rund 20 Sekunden wieder einen Ballgewinn und Tim Brand macht alles klar. Ich war mir sicher, er haut ihn rein. Deswegen habe ich die letzte Auszeit auch nicht genommen”, sagte Bagats erleichtert. Brand haute die Harzkugel rein, dann kannte der Jubel nach einem 60-minütigen Thriller keine Grenzen.

GWD Minden: Birlehm, Zollitsch – Kister 3, Grass, Brand 1, Rodenkirchen 1, Krumm, Nowatzki 2, Zwaka, Gertges 4, Korte 6/3, Richtzenhain 3, Michalczik 4.

Text: red

Foto: Andreas Kister